12. April

Im “Venedig des Nordens” habe ich mir für die Nacht die Wasser-Nähe gesucht. An einem der Kanäle stellte ich die Droschke ab. Solang man niemand stört, kann man fast überall stehen. Da ich Gespräche suche, reagiere ich auf Neugier mit Neugier. Schnell ist Misstrauen verpufft. Nachts kam eine Hunde-Clique vorbei und testete mein Schmalzfleisch. 

Der Tag begann bei mir mit ein paar zivilisatorischen Zwängen und ich bekam kurz ein wenig Angst, dass meine Navigationsgeräte ein update brauchen. Ich fuhr zu DEM Chevrolet-Händler meines Vertrauens (das würde ich ab heute zu dieser Lada/Chevy Werkstatt sagen) und bestellte die neueste Navi-DVD, die es gibt. Allerdings hätte ich neun Stunden warten müssen. Das ist nicht viel im Vergleich zu „nach Kompass fahren“ ... aber ich habe ja Navigatoren. So habe ich die Zeit bis zum frühen Nachmittag genutzt, diese Angst in Zuversicht und Vertrauen in meine vorhandene Technik zu wandeln. 

Nikita, ich nenne ihn mal Auto-Butler, hat alles gegeben, mir die Wartezeit so angenehm wir nur möglich zu machen. Danke Nikita. 

Aber ich wollte jetzt los. Raus aus der Stadt. Die Sonne schien und es waren 6 frühlingshafte Grad Celsius. Pieter strahlte ein letztes Mal für mich und Stück für Stück wurden Häuser und Straßen kleiner. Im Rückspiegel und in der Frontscheibe ;)

 

 

Eine wunDDDDDDDerbare Nachricht brachte mir zudem einen rührenden Schwung. Jetzt beginnt die Reise ... nach ein paar Kilometern Berufsverkehr bog ich nach Nordosten ab in eine Region, wie ich sie mir im CarbonZeitalter vorstelle. Im Moor versinkende Waldflächen. Kleiner Eindruck im Video zu sehen.

  

 

Ich war sehr aufgeregt, romantisiert und genoss die Landschaft, machte wie wild Fotos, hüpfte auf ‚Motiven’ umher und fuhr weiter. 

PLÖTZLICH doch nicht unerwartet lag sie vor mir - die typische russische Überlandstrasse: - festgefahrener Sandstreifen ungefähr 3 Autos breit - während der Schneeschmelze jeder Meter ein Genuss. Es schoss mir das Bild vom Sprung vom 10m - Turm in den Kopf. Wollten wir nich alle auf dem Brett umdrehen ? Doch das Gefühl, doch gesprungen zu sein, eröffnete uns die Dimension des Tauchens und die Freude über die eigene Stärke. 126 km „... ich werde weiterfahren“ vorsichtig, aufmerksam, demütig und die Vorfreude  auf etwas, was ich noch nicht kenne. Der Wagen durfte erstmals im Matsch und Spurrillen glänzen. 

 

Wieder nahm ich dann auf befestigter Strasse die Tramperin Natascha mit. Ein heisser Feger um die 70 mit etwas viel Lippenstift auf spitzem Mund. Sie sah sehr schick aus im Gesicht. Gut gelaunt stieg sie an einem Holzhaus in der Pampa raus. Sie wird ab heut abend übers Wochende bei Ihrer Familie sein. Danke Natascha für die Geschichten aus der DDR. 

 

 

Kurz danach trampten 2 Jungens,  die die ganze Zeit flüsterten. Sie schauten sehr kritisch bis wir wieder hielten. In der Stadt Tichin im Wald stiegen sie aus. Um Ihnen viel Wahrhaftigkeit zu schenken, werden sie ab heut hier per Foto verewigt. Danke Jungs für euren Glauben. 

Ich machte noch eine kleine Begehung des Zentrums und verschwand dann schnell wieder um noch bei letztem Licht eine angenehme Übernachtung zu finden. Jetzt stehe ich auf einer Dorf-„Strasse „ neben einem Haus dem man nicht ansieht, aus welchem Jahrhundert es ist. Es liegt Schnee und die 1 LED- Strassenlaterne des Dorfes lässt den alten Schnee richtig weiss aussehen. 

 

Also heute war wie ein Zündung, die den richtigen Motor für diese Reise gezündet hat. 


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Initiatoren

Andy Denk

Claudia, Katja & Anatoly

 

Kurzbeschreibung

Tour Baikal 2019 – Erforschungsreise einer zukünftigen Wasserroute